Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips ‐ Seite 3/5

veröffentlicht von doelf am 02.05.2021

Ein typisches Beispiel: Der Philips AF 729 Mark II

Mit dem Modellwechsel 1978/79 schickte Philips die erste Version des vollautomatischen Plattenspielers AF 729 ins Rennen. Dieses Gerät wurde für zahlreiche Stereoanlagen aus Einzelkomponenten verwendet und glänzte als Riementriebler mit einer guten Laufruhe und einer einfachen Bedienung über Kurzhubtasten, die allesamt außerhalb des Deckels lagen. Die Feineinstellung (+/-3%) ließ sich für beide Geschwindigkeitsstufen getrennt vornehmen und statt der gewohnten Stroboskopleuchte gab es einen glatten Tellerrand sowie eine LED-Anzeige. Das brachte zwar keine wirklichen Vorteile, wirkte aber moderner. Eine Drehzahlüberwachung an der Tellerachse sorgte für eine konstante Geschwindigkeit. Als Besonderheiten gab es eine im Halter des Tonarms integrierte Waage zum komfortablen Justieren der Auflagekraft sowie drei Blattfedern, über die sich der Teller ganz leicht ausrichten lässt. Das ganze Sub-Chassis war federnd abgehängt, so dass Philips auf hohe Federbeine verzichten konnte.

Philips AF 729 Mark II (1980)
Philips AF 729 Mark II aus dem Jahr 1980 - Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Für das Modelljahr 1980/81 wurde der Plattenspieler geringfügig überarbeitet und erschien statt in schwarz nun komplett silberfarben als Philips AF 729 Mark II. Abgesehen von einer Aluminiumblende an der Front und dem Plattenteller, wurden beide Generationen des Philips AF 729 komplett aus Kunststoff gefertigt, was das Gewicht des Plattenspielers auf 5,8 kg drückte. Auch für die schwarze Bodenwanne mit ihren winzigen Gummifüßen, die nur wenig über einen Millimeter hervorstehen, hatten die Niederländer Kunststoff gewählt.

Problemstelle Bodenwanne

Tatsächlich hat Philips diese einteiligen Kunststoffwannen ab Ende der 70er-Jahre bei fast allen Plattenspielern verbaut und dabei einen massiven Konstruktionsfehler begangen: Die schwarzen Wannen verfügen weder über nennenswerte Versteifungen noch über Lüftungsschlitze, so dass rund um den Motor herum ein Wärmestau entsteht, welcher den Kunststoff über die Jahre verformt. Während sich Vorder-, Hinter- und Seitenwand um mehrere Millimeter nach innen wölben, entsteht unter dem Plattenspieler eine Ausbeulung, die das Gerät anhebt und kippeln lässt.

Verzogene Bodenwanne beim Philips AF 729 Mark II
Verzogene Bodenwanne beim Philips AF 729 Mark II - Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Auch bei unserem Philips AF 729 Mark II war die Bodenwanne an den benannten Stellen verformt: Auf der rechten Seite schwebten die Gummifüße in der Luft, die nach innen verzogene Seitenwand blockierte das Einstellrad für das Anti-Skating und an der ebenfalls nach innen gewölbten Frontkante der Wanne blieb das Gestänge der Reject-Taste (Stopp) hängen.

Nach innen gewölbte Bodenfront
Die nach innen gewölbte Bodenfront - Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Obiges Foto gibt im Bereich der stärksten Wölbung den Blick auf die Tasten Play und Reject frei. Beide Tasten sind mit einem Gestänge verbunden, welches die Funktionen des Plattenspielers über Federn und Zahnräder steuert. Und so verwundert es nicht, dass auch der Automatikbetrieb nicht mehr funktionierte: Unmittelbar auf das Aufsetzen der Nadel folgte der automatische Stopp. Und der Auslöser all dieser Probleme war einzig und alleine die Bodenwanne.


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