bZ4X: Toyotas erster Stromer bleibt ein Problemkind

Meldung von doelf, Mittwoch der 10.08.2022, 15:45:16 Uhr

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Bereits am 23. Juni 2022 musste Toyota einen Rückruf für sein erstes rein elektronisch angetriebenes Automobil starten, da der bZ4X schon nach wenigen Kilometern die Räder verlieren kann. Das Ganze klingt nicht nur wie ein schlechter Witz, sondern auch nach einem simpel zu lösenden Problem, doch auch anderthalb Monate später ist Toyotas Ingenieuren noch keine Gegenmaßnahme eingefallen. Stattdessen wurde den Käufern in den USA ein Rückkauf angeboten.

Zum Modell und dessen Verfügbarkeit
Der Toyota bZ4X ist ein batterieelektrisch angetriebenes Crossover-SUV mit einer Länge von 4,69 Metern und einem Leergewicht von 1,97 bis 2,14 Tonnen. Als Basis dient die Plattform e-TNGA (Toyota New Global Architecture), welche auch der weitgehend baugleiche Subaru Solterra verwendet. Mit dem Lexus RZ soll im Laufe dieses Jahres noch eine luxuriösere Variante folgen. Toyota liefert den bZ4X seit Mai 2022 in Japan ausschließlich an Leasing-Kunden aus, in Europa und Nordamerika startete der reguläre Verkauf im Juni 2022. Der Subaru Solterra sollte ebenfalls Mitte 2022 in Japan, Nordamerika, Europa und China in den Verkauf gehen, doch bisher wurden offenbar noch keine Fahrzeuge an Kunden übergeben.

Defekt tritt schon nach wenigen Kilometern auf
In den USA wurde der Toyota bZ4X ab Mitte Juni ausgeliefert, doch bereits am 23. Juni 2022 erzwang die zuständige US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) einen Rückruf, da sich bei mehreren Fahrzeugen dieser Baureihe die Räder gelöst hatten. In dem Rückruf ist von 661 potentiell betroffenen Fahrzeugen die Rede und bei schätzungsweise einem Prozent, also sechs oder sieben Fahrzeugen, sei der Defekt bereits nach wenigen Kilometern Laufleistung aufgetreten. Da beim Verlust von Rädern schwerste Unfälle drohen, dürfen die SUVs nicht mehr gefahren werden.

Bisher bietet Toyota keine Lösung an
Auch 18 Tage nach dem Rückruf bleibt Toyotas Empfehlung unverändert: Bis eine Lösung gefunden wurde, sollte niemand diese Fahrzeuge benutzen. Doch ein neues eSUV kaufen nur die wenigsten, um es im Anschluss dekorativ herumstehen zu lassen. Und so hat Toyota damit begonnen, seinen Kunden einen Rückkauf anzubieten ‐ zumindest sofern sich das Auto in einem ordentlichen Zustand befindet und noch nicht verunfallt ist. Eine Lösung ist derweil noch nicht in Sicht. Für Europa konnten wir noch keinen Rückruf aufspüren und auch im EU-eigenen Alarmsystem für gefährliche Produkte findet sich bisher nur eine Warnung aus Bulgarien.

Das Problem: Rad, Nabe und Achse
Sowohl Toyota als auch die NHTSA sprechen von sich lösenden Nabenschrauben (hub bolts). Tatsächlich handelt es sich um Radschrauben, welche das Rad an der Nabe fixieren. Bei den betroffenen Fahrzeugen lösen sich somit die Räder von der Nabe und nicht die Nabe vom Achsschenkel. The Autopian hat eine entsprechende Zeichnung von Subura gefunden, welche die Fehlerstelle illustriert. Annimationen auf den Produktseiten von Toyota zeigen indes, dass der bZ4X einen Elektromotor an der Vorderachse hat, ein zweiter Motor an der Hinterachse ist optional. Radnabenmotoren, welche den Antrieb in die Radebene verlagern, kommen beim bZ4X also nicht zum Einsatz.

Der Antrieb des bZ4X ist somit alles andere als ungewöhnlich und Radschrauben werden auch bei anderen Elektrofahrzeugen wie VWs ID.4 und dem BMW i3 eingesetzt. Insofern ist das Fehlerbild ebenso überraschend wie der Umstand, dass Toyotas Ingenieure das Problem während der Entwicklung und Tests des Fahrzeugs übersehen haben. In der Testphase absolvieren Prototypen tausende Kilometer auf Teststrecken und Straßen in den unterschiedlichsten Klimazonen, um solche Kinderkrankheiten auszuschließen.

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