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Kolumne: Die Corona-Warn-App, die bösen Betriebssysteme und die hässlichen Bugs

Meldung von doelf, Montag der 27.07.2020, 21:23:48 Uhr

Laut einer großen deutschen Boulevardzeitung, die laut populärer Ärztemeinung auf Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht spezialisiert ist, lief die 20 Millionen Euro teure Corona-Warn-App auf Millionen Smartphones nicht richtig. Diese Meldung schlug ein wie eine Bombe und löste in der Politik regen Aktionismus aus, doch die Probleme waren da schon seit Wochen gut dokumentiert und zum Teil bereits behoben. Zudem muss man die beklagten Bugs Apple, Google und den Geräteherstellern anlasten.

Der Quellcode der Corona-Warn-App ist offen und kann auf der Entwicklungsplattform GitHub eingesehen werden (Android/iOS). Dort können Nutzer auch Probleme melden, die ebenso offen diskutiert werden (Android/iOS). Wer will, kann also jederzeit brandheiße Informationen einsehen und erfährt auch, wann die jeweiligen Probleme an Apple, Google oder die Gerätehersteller herangetragen wurden, denn nicht jeder Fehler lässt sich in der App lösen. Vielmehr ist die App darauf angewiesen, dass der Unterbau, also die vom Betriebssystem zur Verfügung gestellten Schnittstellen und Funktionen, sauber funktioniert. Oder anders formuliert: Auch das schnellste Fahrzeug nutzt auf der besten Autobahn wenig, wenn alle Ausfahrten gesperrt sind.

Betrachten wir nun drei der ärgerlichsten Fehler:

Apple iPhone: iOS 13.6 und das Problem mit der Region
Seit der Veröffentlichung von iOS 13.6 vor knapp zwei Wochen lässt sich die Risiko-Ermittlung auf etlichen iPhones nicht mehr aktivieren. Apples Betriebssystem behauptet, dass Covid-19-Bewegungsaufzeichnungen In deiner Region nicht verfügbar seien. Manche Nutzer konnten das Problem durch eine Neuinstallation der App lösen: Zunächst muss man die App entfernen, dann das Telefon neu starten und die App dann wieder aufspielen. Ein anderer Ansatz besteht darin, die Bewegungsaufzeichnungen vor dem Update auf iOS 13.6 zu deaktivieren und erst im Anschluss wieder einzuschalten. Apple wurde zeitnah über den Fehler informiert und hat bereits eine Korrektur getestet, die bisher aber noch nicht offiziell verteilt wird. Weitere Informationen und den aktuellen Status dieses Problems findet man auf GitHub.

Android: Übereifriges Energiemanagement stoppt die App
Gewisse Smartphone-Hersteller, namentlich seien Samsung, Huawei und dessen Tochter Honor genannt, neigen dazu, Android mit Eigenlösungen zu verschlimmbessern. Dies betrifft auch das Energiemanagement, welches im Interesse der Akkulaufzeit derart aggressiv voreingestellt ist, dass Apps nicht mehr dauerhaft im Hintergrund laufen. Googles Exposure Notification Framework (ENF) funktioniert zwar einwandfrei, doch die Corona-Warn-App wird immer wieder beendet, so dass der Datenaustausch mit dem zentralen Server nicht mehr automatisiert stattfindet. Erst wenn die App geöffnet wird, kommt es zum Datenabgleich und einer möglichen Warnung über Risikobegegnungen. Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck der ganzen Übung, doch die betroffenen Hersteller haben sich über Googles Vorgaben hinweggesetzt und damit auch die Funktion anderer Apps beeinträchtigt.

Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung der Corona-Warn-App war dieses Problem gut dokumentiert und kurze Zeit später samt Lösungsweg beschrieben. Wir hatten es am 23. Juni 2020, also rund einen Monat vor dem Bericht in der Boulevardzeitung, beschrieben und den Workaround erklärt. Und wir waren keinesfalls die einzigen. Man musste der Corona-Warn-App auf den betroffenen Geräten lediglich manuell das Recht zugestehen, im Hintergrund geöffnet zu bleiben. Das ist auch bei anderen Apps, die im Hintergrund laufen sollen, erforderlich, doch nicht alle Nutzer sind mit dieser Problematik vertraut und dummerweise sind die Geräte der verantwortlichen Hersteller in Deutschland weit verbreitet.

Um den Benutzern die Konfiguration zu erleichtern, wurde eine entsprechende Option in die App-Version 1.1.1, die seit dem 23. Juli 2020 verfügbar ist, integriert. In den Einstellungen der App, welche man über die drei untereinanderstehenden Punkte rechts oben erreicht, findet sich der neue Eintrag Priorisierte Hintergrundaktivität. Wird dieser per Schieber aktiviert, werden die Restriktionen der Hersteller aufgehoben und die Corona-Warn-App funktioniert wie sie soll. Zumindest in der Theorie. Bei einigen Geräten scheint das Problem weiter zu bestehen und zuweilen wird eine Änderung des Schiebers erst nach einem Neustart aktiv.

Android: Verschlüsselungsfehler bei Huawei und Honor
Wenn man die Meldung Ursache 9002 - Etwas ist schiefgelaufen zu Gesicht bekommt, stammt das Telefon in der Regel von Huawei oder dessen Tochter Honor. Zumindest ein Auslöser für dieses Problem, welches auf einen Signaturfehler bei der Prüfung einer Schlüsseldatei hinweist, ist auf den chinesischen Hersteller beschränkt und tritt ausschließlich mit Android 6 und 8 auf. Bei mehreren Nutzern, die ihre Smartphones auf Android 9 oder 10 aktualisieren konnten, ist die Fehlermeldung in der Folge nicht mehr aufgetaucht. Als Auslöser kommen Fehler in der Verschlüsselung oder ein unberechtigter Zugriff auf die geschützten Daten in Frage, doch bisher ist hier noch keine Lösung in Sicht und seitens Huawei bzw. Honor scheint es keine Unterstützung zu geben.

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