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Kolumne: Heute schon geimpft?

Meldung von doelf, Montag der 07.06.2021, 11:46:23 Uhr

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Die Impfpriorisierung ist beendet. Ab heute kann sich jeder in Deutschland gegen das Coronavirus impfen lassen. Zumindest in der Theorie, denn einige Bundesländer priorisieren weiterhin und andere haben gar keine Dosen für neue Erstimpfungen. Statt eines kleinen Stichs gibt es zunächst nur heiße Luft und großen Frust.

Keine kluge Idee...
Es ist schon absurd, was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn derzeit so treibt. Obwohl die Risikogruppen noch nicht vollständig geimpft sind, ist mit dem heutigen Tag die Impfpriorisierung in Deutschland gefallen. Zumindest auf dem Papier, denn in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein werden die Risikogruppen auch weiterhin bevorzugt geimpft und im Saarland erhalten diese Menschen schneller einen Termin. In Bremen ändert sich gar nichts, dort will man die vorhandenen Priorisierungslisten konsequent abarbeiten. Und natürlich ist das alles auch sinnvoll, denn das individuelle Risiko entscheidet letztendlich über die Schwere einer COVID-19-Infektion und nicht der Kontostand, die Internetaffinität des Impfwilligen oder eine bereits gebuchte Urlaubsreise.

...sondern ein Wahlgeschenk
Dennoch hatte Spahn das Ende der Impfpriorisierung sozusagen als vorgezogenes Wahlgeschenk verfügt und wollte sich gleich noch bei allen Eltern lieb Kind machen, indem er eine Vorzugsbehandlung für Kinder ab 12 Jahren ins Spiel brachte. Die Botschaft war klar: Erst unkompliziert in den Urlaub und nach den Ferien dann wieder ein geregelter Präsenzunterricht an den Schulen. Während Europas Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff von BioNTech und Pfizer Ende Mai 2021 für diese Altersgruppe freigegeben hat, zögert hierzulande die Ständige Impfkommission (STIKO) mit einer allgemeinen Empfehlung aufgrund der dünnen Datenlage. Und das ist durchaus verständlich, denn das Risiko für Kinder und Jugendliche ist gering, während es mit den Vakzinen keinerlei Langzeiterfahrung gibt.

Wer darf sich wo melden?
Die STIKO hat für alle Personen ab 16 Jahren grünes Licht gegeben, dazu kommen vorerkrankte Kinder ab 12 Jahren. Bei den Letztgenannten sind die grundsätzliche Freigabe des Impfstoffs durch die EMA sowie die Art und Schwere der Vorerkrankung entscheidend, weshalb die behandelnden Ärzte einzubeziehen sind. Dass man sich impfen lassen darf, bedeutet aber keinesfalls, dass man sich in absehbarer Zeit impfen lassen kann, denn die Vakzine sind nach wie vor ein knappes Gut. In Nordrhein-Westfalen ist die Priorisierung zwar komplett gefallen, doch es gibt gar keinen Impfstoff für Erstimpfungen. Daher kann man zwar eine Registrierung im Impfportal der Kassenärztlichen Vereinigung (bundesweite Anmeldung über 116117.de) durchführen, doch nach der ersten Anmeldung kann man keinen Termin vereinbaren.

Es gibt auch keine Warteliste. Man kann sich lediglich per E-Mail über zukünftige Termine informieren lassen. Und dann dürften Hauen, Stechen und Technikversiertheit darüber entscheiden, wer sich diese Termine erkämpfen wird. Oder man legt die Telefonleitungen der lokalen Hausärzte und -ärztinnen lahm. Die haben zwar auch kein Vakzin, dafür aber extrem genervte Sprechstundenhilfen. Und wer keinen Hausarzt hat, sollte heute besser nicht mit der Suche beginnen. Damit bleiben noch die Betriebsärzten und -ärztinnen, die mit dem heutigen Tag ebenfalls ins Impfgeschehen einsteigen und mit den selben Verfügbarkeitsproblemen zu kämpfen haben. Aber was geschieht, wenn irgendwo Impfstoff übrig bleibt? Dann wollen Initiativen wie die Non Profit Organisation sofort-impfen.de bei der Vermittlung Impfwilliger helfen.

Lieber Abwarten?
In Anbetracht dessen, dass viele impfwillige Personen aus den Risikogruppen noch nicht geimpft sind, erscheint es sinnvoll, diesen den Vortritt zu lassen. Doch die meisten dieser Personen werden sich über ihre Hausärzte und -ärztinnen impfen lassen und dort besteht weiterhin eine gute Chance, dass sie Vorrang erhalten werden. Es sei denn, sie sind hinsichtlich des Vakzins zu wählerisch. Bei der Terminvergabe über die Impfzentren wird in Bundesländern ohne Priorisierung die Reaktionszeit auf neue Terminangebote entscheidend sein. Dort darf sich meiner Ansicht nach jeder ins Getümmel stürzen, da Herr Spahn hier jegliche Logik, Höflichkeit und Rücksichtnahme gestrichen hat. Somit kann einzig noch ein möglichst breites Bewerberfeld für eine halbwegs gerechte Verteilung sorgen.

Sicher schadet es auch nicht, wenn man sich bei Organisationen wie sofort-impfen.de auf die Kontaktliste setzt. Die Grundidee einer Vernetzung zwischen Ärzten und Impfwilligen ist sicherlich sinnvoll, doch letztendlich dürfte es lokal sehr große Unterschiede hinsichtlich der Teilnahmebereitschaft von Ärzten und dem tatsächlich anfallenden Kontingent an Restdosen geben. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass in erster Linie die Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson auf der Resterampe landen. Diese werden von der STIKO aufgrund seltener Nebenwirkungen nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

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