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Kolumne: Android ist ein Holzweg

Meldung von doelf, Montag der 20.05.2019, 17:19:13 Uhr

US-Präsident Homer J. Simpson... pardon: Donald J. Trump (so etwas kann mal passieren, schließlich haben beide so ein J. in der Mitte und ziemlich viel Luft in der Birne) hatte uns bisher nur gelehrt, dass man nicht jeden selbstverliebten Möchtegern-Milliardär (kein Kontoauszug, keine Mitgliedschaft im Club der Superreichen) zum mächtigsten Mann der Erde wählen sollte. Seine derzeitigen Schläge gegen China und Huawei können derweil als wichtige Lektion in puncto Globalisierung und offene Systeme gewertet werden.

Der Stock im Getriebe der Globalisierung
Die meisten Produkte sind heutzutage das Ergebnis globaler Zusammenarbeit. Beispielsweise entwickelt HMD Global in Finnland Smartphones, die dann mit US-amerikanischen Prozessoren aus taiwanischer Produktion, südkoreanischen Speicherchips und japanischen Kameralinsen in einer chinesischen Fabrik zusammengebaut werden. Auf diesen "Nokia"-Telefonen läuft dann das Betriebssystem Android, welches Entwickler aus aller Welt unter der Leitung von Google programmieren. Doch diese heile Welt eines eng verzahnten globalen Marktes endet jäh, wenn ein Schlüsselland aufgrund einer nationalen Agenda des Protektionismus ausschert und Zölle sowie Einfuhrbeschränkungen einführt.

Diese Schlüsselländer sind in erster Linie die USA und China, welche sich seit Amtsantritt von Homer J. Trump einen immer weiter eskalierenden Handelskrieg liefern. Dabei hat die USA zwei Kernkompetenzen aufzuweisen: Prozessoren (Qualcomm, Intel, IBM und AMD) und Betriebssysteme sowie die dazugehörigen Dienste (Google, Apple und Microsoft). Bei Mobilgeräten haben sich die Architekturen der britischen CPU-Schmiede Arm Holdings durchgesetzt und obwohl das US-Unternehmen Qualcomm diesen Markt dominiert, gibt es mit Allwinner, HiSilicon und Rockchip Alternativen aus China. Insbesondere die Produkte der Huawei-Tochter HiSilicon können dabei ganz oben mitspielen.

Das Betriebssystem als Machthebel
Ganz anders sieht es bei den Betriebssystemen aus: Während PC-Nutzer immer auf eine freie Lösung wie Linux oder BSD zurückfallen können, sind die meisten Mobilnutzer an das vorinstallierte Betriebssystem gebunden. Apple sperrt seine Jünger vollständig ein, um sie vor allem Bösen zu bewahren. Google präsentiert Android derweil als größtenteils quelloffen und wiegt uns in falsche Sicherheit. Android ist nämlich nichts ohne Googles Dienste, allen voran der Play Store. Chrome, Gmail, Maps und die Google-Suche lassen sich zwar durchaus ersetzen, doch die Alternativen sind nicht so gut ins Betriebssystem integriert. YouTube wäre für die meisten Nutzer sicherlich ein großer Verlust. Das Kernproblem bleibt aber der App-Store, denn selbst Amazon ist hier weit abgeschlagen.

Während die Bastelfraktion ihr Smartphone rootet und LineageOS mit Open-Source-Apps aus F-Droid bestückt, kratzt sich der Otto-Normal-Nutzer am Kopf und fragt sich, was es mit diesen "unbekannten Quellen" auf sich hat, die Google offenbar als gefährlich erachtet. Doch spätestens wenn Netflix und Android Pay unter LineageOS fehlen, da Androids SafetyNet-Prüfung eben nicht quelloffen ist, geht das Jammern und Wehklagen los. Ja, man wollte sich der Allmacht Googles entziehen, aber doch nicht um den Preis der Bequemlichkeit oder durch Medienverzicht! Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Android zwar größtenteils quelloffen ist, Google jedoch den Daumen auf die entscheidenden Teile hält.

Mitbewerber unerwünscht
Google war dies stets bewusst und hatte seine Marktmacht diesbezüglich missbraucht: Die Telefonhersteller erhielten Googles Apps ausschließlich als Komplettpaket, Google zahlte für den Verzicht auf alternative Suchanbieter und bestrafte Hersteller, die alternative Android-Varianten auf ihren Geräten vorinstallierten, mit einem generellen Lizenzentzug für seine Apps. Es ging immer nur darum, die Entwicklung des angeblich so offenen Android nicht aus der eigenen Hand zu verlieren und bloß keine Konkurrenz aufkommen zu lassen. Dies hat hervorragend funktioniert, denn laut NetMarketShare lief Android im April 2019 auf 70 Prozent aller Smartphones.

Geschmeckt hat das den Smartphone-Herstellern zwar nicht, denn diese hätten nur zu gerne noch mehr an Android verbastelt und die Käufer an eigene App-Stores gekettet, doch selbst für Samsung war Google zu mächtig, so dass das alternative Betriebssystem Tizen nur in Indien auf einem Smartphone landete und ansonsten für Smart-TVs genutzt wurde. Nur in wenigen Märkten wie China werden Smartphones mit vorinstallierten Android-Varianten verkauft, welche Googles-Dienste durch lokale Mitbewerber ersetzen. Ein Beispiel hierfür wäre das HydrogenOS des chinesischen Smartphone-Herstellers OnePlus. Für den internationalen Markt setzt OnePlus hingegen auf ein Konstrukt namens OxygenOS nebst Google-Apps.

Der Fall (von) Huawei
Androids dominierende Marktposition ist höchst unbefriedigend, doch die jüngsten Entwicklungen sollten Kunden und Hersteller gleichermaßen aufhorchen lassen: Aufgrund des von Trump verhängten Telekommunikationsnotstands, lässt Google Huawei fallen wie eine heiße Kartoffel. Der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt mit einem Marktanteil von 19,0 Prozent (Quelle: IDC) ist ab sofort nicht mehr in der Lage, neue Android-Telefone auf den Markt zu bringen oder aktuelle Modelle auf eine neue Android-Version zu aktualisieren. Dabei hatte Huawei nach satten Zuwächsen im ersten Quartal sehr gute Chancen, noch in diesem Jahr die Marktführerschaft von Samsung zu übernehmen.

Doch daraus wird nichts mehr. Sollte Huawei weiter mit Android arbeiten, kann dies nur noch mit dem quelloffenen Teil des Betriebssystems geschehen. Google Play, Chrome, Gmail und Maps bleiben dann außen vor und ohne SafetyNet gibt es auch kein Netflix oder Android Pay. Für den chinesischen Heimatmarkt hat Huawei Alternativen, für das internationale Geschäft aber nicht. Und das könnte die Chinesen weit mehr als nur die angestrebte Marktführerschaft kosten. Weltweit werden Millionen Kunden murren, da Huawei seine Update-Versprechen nicht mehr einhalten kann. Einzig Samsung darf erst einmal tief durchatmen, da das faltbare Huawei Mate X mit 5G-Unterstützung nun wohl doch nicht auf den internationalen Markt kommen wird.

Ein möglicher Ausweg
Die Lösung für Smartphone-Hersteller und Nutzer liegt auf der Hand: Wir brauchen ein vollständig quelloffenes Android, welches nicht unter die Jurisdiktion eines einzelnen Landes oder in die Interessen eines einzelnen Internetunternehmens fällt. Dieses Betriebssystem darf keine Bastellösung sein, sondern muss von den Herstellern vorinstalliert werden. Und es muss einen internationalen App Store geben, der von einer breiten Allianz unterschiedlicher Firmen gemeinsam betrieben wird - eben eine "bekannte Quelle" mit hohen Sicherheitsstandards und einer Qualitätsprüfung. Die übrigen Google-Dienste sind nicht einzigartig und lassen sich ersetzen. Bleibt noch das Problem SafetyNet, wobei man die Entwicklung einer Alternative in die Hand einer gemeinnützigen Stiftung legen könnte.

Bleibt die Frage, wie groß die Angst in der Branche wirklich ist. Wenn sich Huaweis Mitbewerber nur über neu zu vergebende Marktanteile freuen, wird es keine Befreiung für Android geben. Unserer Einschätzung nach werden am ehesten andere Hersteller aus China profitieren, die zugleich Gefahr laufen, das nächste Opfer des trumpschen Notstandsdekrets zu werden. Zumindest sollte niemand darauf spekulieren, dass Trump die US-Präsidentschaftswahl im November 2020 verlieren wird - auch George W. Bush wurde wiedergewählt. Selbst die Briten werden bei der Europawahl dem Rattenfänger Nigel Farage zum x-ten Mal auf den Leim gehen und für dessen Brexit-Partei stimmen. Trump hat gute Chancen auf eine zweite Amtszeit und wenn er erst einmal einen Deal mit China vorweisen kann, wird er sich mit Sicherheit das nächste Land vornehmen. Denn der Rest sind nur noch Peanuts...

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