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Kolumne: Pflichtlektüre!

Meldung von doelf, Freitag der 22.04.2022, 13:11:30 Uhr

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Der beste Artikel im Spiegel Online seit Jahren stammt nicht vom Spiegel Online, sondern von Constantin Seibt, der diesen für republik.ch verfasst hatte. Auch wenn der Titel Russisches Kriegsschiff, fick dich! auf den ersten Blick etwas platt klingt - im Artikel wird der Ursprung des Zitats erklärt - und der Autor klar Stellung bezieht, statt all seine Aussagen ständig zu relativieren, sollte dieser Text zur Pflichtlektüre für den Politikunterricht werden. Ja, dieser Artikel ist lang. Sehr lang. Aber er ist auch sehr lesenswert. Und man sollte ihn keinesfalls schnell überfliegen, denn das funktioniert nicht.

Der Kampf der Systeme ist zurück, behauptet Seibt und das meiner Überzeugung nach auch zurecht. Wer heute noch mit wohligen Sozialismus-Fantasien gen Osten blickt, dem ist nicht mehr zu helfen. Putin ist weder ein lupenreiner Demokrat noch der Reformator eines sowjetischen Erbes. Putin ist ein Faschist und ein Krimineller, der weltweit andere Faschisten und Kriminelle protegiert. Wer noch immer Putin-Fans wie Marine Le Pen oder der AfD vertraut, fällt für mich persönlich in die Kategorie Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihren Schlächter selber. Zwietracht, Hass und Nationalismus haben noch nie Probleme gelöst. Und wie viel das Wort von Faschisten wert ist, sollten uns Hitler, Stalin und Mussolini gelehrt haben. Natürlich kann man die heutigen Faschisten mit Begriffen wie Populisten verniedlichen. Und man kann auch einen brutalen, rücksichtslosen Angriffskrieg als Spezialoperation verharmlosen. Ehrlich ist beides nicht.

Der Mensch hat sein Gehirn bekommen, um es zu benutzen. Und die letzten Jahre haben uns gezeigt, wie auch Constantin Seibt ganz richtig schreibt, dass wir uns einen Bullshit-Filter antrainieren müssen. Dank Internet und unsozialer Netzwerke werden wir mit unglaublichen Mengen von gequirlter Scheiße zugemüllt, bei der es sich oftmals tatsächlich nur um gequirlte Scheiße handelt. Und da es so unglaublich viel gequirlte Scheiße ist, nehmen wir nur noch die Überschriften wahr und teilen diese, ohne sie zu hinterfragen oder die Fakten zu prüfen. Ich schreibe hier wir, weil wir als Gesellschaft alle im gleichen Boot sitzen. Tatsächlich habe ich mich stets bemüht, schöngefärbte Scheiße ganz klar als Scheiße zu benennen. Und in den Themenbereichen von Brexit bis Trump reichte die Palette der Schönmalerei von perfide bis dummdreist. Kurioserweise stinkt die gequirlte Scheiße, die Russland seit Beginn des Ukrainekriegs absondert, dermaßen zum Himmel, dass sie glasklar als gequirlte Scheiße zu erkennen ist.

Offenbar hält Putin es nicht mehr für notwendig, die Fakten aufwändig zu verdrehen, um die Menschen in Russland und im Westen zu verwirren. Für die Russen ist Putins Wort seit Beginn des Kriegs Gesetz und jeder öffentlich geäußerte Zweifel kann einen unfreiwilligen Aufenthalt im Arbeitslager nach sich ziehen. Für den Westen sind Putins Auftritte sowie die Äußerungen seiner Vertrauten nur noch als Provokation gedacht. Putin und seine verbliebenen Speichellecker könnten ebenso gut Schweigen und ihre Mittelfinger gen Westen recken. Wie weit diese Verbrecherbande noch gehen wird, kann letztendlich niemand sagen. Nur ist es wesentlich leichter und folgenloser, immer wieder zu provozieren, als tatsächlich Raketen auf NATO-Gebiet abzufeuern. Die Ukraine betrachtet Putin derweil als Freiwild, wo sich seine Soldaten austoben dürfen. Sie will er an Stelle des Westens in Schutt und Asche legen und dabei auch den verbliebenen Oppositionellen in Belarus und Russland vor Augen führen, wie weit er zu gehen bereit ist.

Ob unsere Freiheit jemals am Hindukusch verteidigt wurde, wage ich nach wie vor zu bezweifeln. Dass unsere Freiheit derzeit in Kiew, Charkiw, Schytomyr und Mariupol verteidigt wird, liegt für mich hingegen auf der Hand. Unsere Freiheit wird aber auch auf jedem Wahlzettel verteidigt, indem wir den leeren Versprechungen der Faschisten widerstehen und demokratische Parteien wählen. Und wenn uns die zur Auswahl stehenden demokratischen Politiker allesamt zu doof sind, dann müssen wir halt unseren eigenen Hintern hochbekommen und in die Politik gehen. Denn das steht uns in unserer Demokratie frei, es ist eine unserer wesentlichen Freiheiten. Und genau für diese Freiheiten kämpfen die Ukrainer. Und dass die Ukrainer so vehement kämpfen, liegt nicht zuletzt an den abschreckenden Beispielen vor ihrer Haustüre: Die Russen haben diese Freiheiten schon lange wieder aufgegeben und ihre Nachbarn in Belarus konnten sie wegen Putins Unterstützung für den dortigen Machthaber Lukaschenko noch nicht zurückerlangen.

Doch genug der Vorrede, hier nun meine Leseempfehlung: Russisches Kriegsschiff, fick dich!

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