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Toshiba: Investoren und Partner klagen

reported by doelf, Freitag der 16.06.2017, 15:18:18 Uhr

Dem japanischen Technologiekonzern Toshiba steht aufgrund der Zahlungsunfähigkeit seiner US-Atom-Tochter "Westinghouse Electric Company" das Wasser bis zur Hutkrempe. Um frisches Geld zu bekommen, wollte das Unternehmen seine lukrative Chipsparte verkaufen, doch dagegen klagt Western Digital (WD). Und auch die Investoren klagen und fordern bisher knapp 900 Millionen Euro Schadensersatz.

Die Investoren klagen
Wie der Krisenkonzern mitteilt, haben weitere 70 Investoren bei einem Gericht in Tokyo eine Sammelklage eingereicht. Sie werfen dem Unternehmen eine fehlerhafte Buchführung vor und fordern zusammen 43,890 Milliarden Yen Schadensersatz. Zu diesen Forderungen gesellen sich 25 ältere Schadensersatzklagen mit einem Volumen von 64,513 Milliarden Yen. Insgesamt stehen damit Forderungen in Höhe von 108,4 Milliarden Yen (ca. 878,040 Millionen Euro) im Raum. Wie die japanische Firma mitteilt, will sie Gelder für etwaige Schadensersatzzahlungen zurückstellen. Dies scheint auch notwendig zu sein, denn Toshiba hatte seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2016 verspätet und unvollständig veröffentlicht. Zuvor hatten die Buchprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) aufgrund des von ihnen vorgefundenen Finanzchaos das Handtuch geworfen. Die Schuld an der ganzen Misere trägt Tohisbas US-Atom-Tochter "Westinghouse Electric Company".

Toshibas Atom-Probleme
Toshiba hatte Westinghouse im Februar 2006 für 5,4 Milliarden US-Dollar von "British Nuclear Fuels" (BNFL) gekauft und dabei auf den Neubau von Reaktoren in den USA und Großbritannien gesetzt. Doch Westinghouse ist es nicht gelungen, die Probleme der 2008 begonnenen Bauprojekte Vogtle 3 und 4 im US-Bundesstaat Georgia und V.C. Summer 2 und 3 im US-Bundesstaat South Carolina in den Griff zu bekommen. In beiden Fällen sollen zwei neue Druckwasserreaktoren des Typs Westinghouse AP1000 mit einer Leistung von je 1,117 MWe in Betrieb genommen werden. Ende 2016 schluckte Westinghouse dann die zuständigen Bauunternehmen, deren finanzielle Substanz so gering war, dass Westignhouse im Anschluss selbst Gläubigerschutz beantragen musste. Toshiba machte daraufhin Abschreibungen in Höhe von 716,6 Milliarden Yen auf Westinghouse geltend. Auch der Bau von drei AP1000-Reaktoren im britischen Moorside (West Cumbria) scheint geplatzt zu sein, denn aufgrund der Geldprobleme bei Westinghouse ist der Projektpartner ENGIE S.A. ausgestiegen.

Speicher zu Geld machen
Bereits im Februar 2017 hatten die Japaner angekündigt, dass sich Toshiba in zwei unabhängige Unternehmen aufspalten wird. Dabei wurde die Speichersparte aus der bisherigen Schwestergesellschaft "Toshiba Storage & Electronic Devices Solutions Company" heraus getrennt und zur eigenständigen "Toshiba Memory Corporation". Diese umfasst neben dem DRAM-Geschäft auch Toshibas Flash- und SSD-Aktivitäten, nicht aber die Bildsensoren. Im Geschäftsjahr 2015 hatte die Speichersparte bei einen Umsatz in Höhe von 845,6 Milliarden Yen (ca. 7,06 Milliarden Euro) einen operativen Gewinn von 110,0 Milliarden Yen (ca. 918,5 Millionen Euro) erzielt, sie ist somit sehr profitabel und soll schnellstmöglich verkauft werden. Als Bieter wurden neben Toshibas Partner Western Digital auch ein Zusammenschluss aus Apple, TSMC und Foxconn, eine Allianz aus Silver Lake und Broadcom sowie Amazon und Google genannt.

WD macht einen Strich durch die Rechnung
Derart viele namhafte Interessenten lassen auf sehr hohe Gebote hoffen, doch ausgerechnet Toshibas langjähriger Partner WD schießt jetzt quer. WD und seine Tochter SanDisk betreiben im Bereich NAND-Flash-Speicher drei Joint-Ventures mit Toshiba und würden die Speichersparte der Japaner gerne selber kaufen. Doch anscheinend wurde WD überboten und daher beharren die Amerikaner nun auf die bestehenden Verträge, welche den Verkauf von Anteilen durch einen Eigner ohne Zustimmung des anderen untersagen. Und weil der Versuch, über ein Schlichtungsverfahren eine Einigung mit Toshiba zu erreichen gescheitert ist, klagt WD nun vor einem kalifornischen Gericht auf Unterlassung. Dabei dürfte sich WD durchaus bewusst sein, dass sich die Japaner in ihrer aktuellen Situation kaum auf einen langen Rechtsstreit einlassen können.

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