DRAM-Preise gehen endgültig durch die Decke
Meldung von doelf, Freitag der 05.12.2025, 16:37:19 UhrDie Achterbahnfahrt für die DRAM-Chips hatte am Spot-Markt in Taiwan bereits im Sommer begonnen, doch nun schlägt die Preisexplosion auch hierzulande auf breiter Front durch. Die hiesigen Endkundenpreise für typische DDR4-Kits haben sich seit dem Sommer verdreifacht und dürften in den kommenden Wochen weiter anziehen, da die Kurse für DDR4-Chips am Spot-Markt inzwischen schon um den Faktor zehn bis dreizehn über dem Vorjahresniveau liegen. Bei den DDR5-Chips sieht es nicht ganz so schlimm aus, hier liegt der Aufschlag zum Vorjahreskurs nur
bei rund 466 Prozent.
KI verursacht ein Speicherdilemma
Die steigenden DRAM-Preise zeigen inzwischen auch Auswirkungen auf das PC-Angebot. Um die Preise halbwegs stabil zu halten, werden viele Desktop-PCs und Notebooks nun wieder mit lediglich 8 GiB Arbeitsspeicher angeboten. Vor einem Jahr hatten die Hersteller zumeist 16 GiB RAM geboten, was in Anbetracht der Inflation an KI-Funktionen auch Sinn macht. Dabei sind 8 GiB für Windows 11 das absolute Minimum, damit das System halbwegs vernünftig läuft. Doch leider finden sich am Markt inzwischen wieder vermehrt Angebote für Windows-PCs mit nur 4 GiB Arbeitsspeicher, die zwangsweise im eingeschränkten S-Modus von Windows 11 laufen. Von diesen vermeintlichen Schnäppchen sollte man unbedingt die Finger lassen!
Während die PCs der Benutzer für all die neuen KI-Funktionen mehr Arbeitsspeicher benötigen, kaufen die großen KI-Firmen derzeit die Speichermärkte leer, denn die gewaltigen KI-Rechenzentren benötigen neben Unmengen an Strom auch Unmengen an Arbeits- und Festspeicher. Und so steigen die Preise für DRAM, SSDs und Festplatten immer weiter. Ja, in Servern kommen in der Regel andere Speicherchips zum Einsatz als in Desktop-PCs, Notebooks oder Smartphones. Und genau deswegen verlagern immer mehr Hersteller ihren Produktionsschwerpunkt. Gerade erst hat Micron angekündigt, seine Endkundenmarke Crucial nach 29 Jahren einzustellen, um sich auf Serverprodukte konzentrieren zu können.

Die Kurse am Spot-Markt
Der Kurs des modernen Speichertyps DDR5-4800/5600 16Gb 2Gx8 wird von uns seit März 2024 beobachtet. Von September auf Oktober 2025 ist dieser um 123,59 Prozent angestiegen und von Oktober auf November 2025 um weitere 75,41 Prozent. Bereits von Februar bis September 2025 (-0,24%; +3,55%; +8,16%; +4,23%; +9,73%; +0,88%; -0,87%; +14,55%) wies die Tendenz klar nach oben und inzwischen bewegen wir uns um 466,33 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Der Speichertyp DDR4-3200 16Gb 2Gx8 hatte von September auf Oktober 2025 um 125,30 Prozent zugelegt und von Oktober auf November 2025 nochmals um 66,67 Prozent. Auch hier hatten wir schon zwischen März und September 2025 (+9,41%; +16,64%; +23,47%; +83,99%; +0,62%; +6,11%; +24,17%) eine stetige Preissteigerung beobachtet, die deutlich höher ausgefallen war, als bei den DDR5-Pendants. Der Jahresrückblick zeigt einen Kursanstieg um unglaubliche 1.230,2 Prozent.
Halbieren wir die Speicherkapazität, so ist der Kurs der Variante DDR4-3200 8Gb 1Gx8 von September auf Oktober 2025 um 71,75 Prozent und von Oktober auf November 2025 um 57,77 Prozent geklettert. Der Aufschlag fällt geringer aus als bei den 16Gb-Chips, doch zwischen März und September 2025 (+12,10%; +12,34%; +31,03%; +113,75%; +0,45%; -5,23%; +20,87%) hatten sich die 8Gb-Chips stärker verteuert. Im Jahresvergleich beläuft sich der Kursanstieg auf 917,27 Prozent.
Als Auslaufmodell beobachten wir die 4Gb-Chips nur noch in der Variante DDR3-1600/1866 4Gb 512Mx8. Der Kurs dieser Chips war zwischen März und September 2025 (+11,37%; +4,58%; +21,21%; +31,30%; +14,10%; +16,63%; +13,30%) kontinuierlich angewachsen. Von September auf Oktober 2025 gab es dann einen kräftigen Sprung um 56,03 Prozent und von Oktober auf November 2025 einen bescheideneren Anstieg um 7,43 Prozent. Im Jahresvergleich addieren sich die Aufschläge auf 336,01 Prozent.
Die Endkundenpreise in Deutschland
Betrachten wir die Preisentwicklung typischer DDR4-3200 32-GiB-Speicher-Kits aus zwei 16-GiB-Riegeln, so sind die Preise für lagernde Ware seit Dezember 2024 von rund 50 bis 70 Euro auf 170 bis weit über 200 Euro angestiegen. Für DDR4-3200 16-GiB-Speicher-Kits aus zwei 8-GiB-Riegeln musste man vor einem Jahr rund 30 Euro bezahlen, heute sind es mehr als 100 Euro. Typische DDR5-5200 bzw. DDR5-5600 32-GiB-Speicher-Kits aus zwei 16-GiB-Riegeln konnte man im Dezember 2024 für 90 bis 100 Euro erwerben, heute starten die Preise bei rund 250 Euro und reichen bis über 500 Euro.
Wechselkurs und Ausblick
Bleibt noch die Frage nach dem Wechselkurs, denn Arbeitsspeicher wird in US-Dollar gehandelt: Ende November 2024 hatte ein Euro den Gegenwert von 1,0578 US-Dollar, ein Jahr später waren es 1,1597 US-Dollar. Der Kurs des Euro ist somit um 9,63 Prozent gestiegen, was angesichts der Preisexplosion bei den DRAM-Chips aber nur einen Tropfen auf dem heißen Stein ausmacht. Der Ausblick ist derweil stockfinster: Wer jetzt kauft, muss tief in die Tasche greifen und im ersten Quartal 2026 dürfte dieser Griff noch viel tiefer werden. Es gibt derzeit kein Licht am Ende des Tunnels. Erst wenn die KI-Blase platzt oder deutlich mehr Fertigungskapazitäten bereitstehen, wird sich die Situation wieder entschärfen.
Bezüglich der genannten Preise bitten wir zu beachten, dass zwischen einzelnen Chips und den mit diesen bestückten Modulen zu unterscheiden ist. Da die Chips zunächst verarbeitet und danach verschifft werden, vergehen normalerweise einige Wochen, bevor sich Kursschwankungen am Spot-Markt auf die hiesigen Preise von Speichermodulen auswirken.