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Facebook: Gerätehersteller haben Zugriff auf Nutzer- und Freundesdaten

reported by doelf, Montag der 04.06.2018, 15:42:39 Uhr

Nach eigenen Angaben gibt Facebook seit 2015 keine Daten über Freunde an Dritte wie App-Entwickler weiter. Doch Gerätehersteller wie Apple, Amazon, BlackBerry, HTC, Microsoft und Samsung haben, genau wie deren Apps, auch weiterhin Zugriff auf die Daten von Freunden und sogar Freundesfreunden. Und an die Facebook-Daten der eigentlichen Gerätenutzer gelangen sie natürlich auch.

Datenaustausch mit mindestens 60 Geräteherstellern
Wie die New York Times berichtet, hatte Facebook schon vor über zehn Jahren einen umfangreichen Datenaustausch mit mindestens 60 Geräteherstellern vereinbart. Damals wollte Facebook auf Mobilgeräten Fuß fassen, was dem Unternehmen auch gelungen ist. Heutzutage wird praktisch kein Gerät ohne Facebook-App ausgeliefert und in den meisten Fällen lässt sich diese nicht einmal entfernen. Obwohl Datenschutzauflagen der US-amerikanischen Handelsaufsicht "Federal Trade Commission" schon im Jahr 2011 für Bedenken hinsichtlich dieser Praxis gesorgt hatten, behielt Facebook sie weitgehend bei. Erst im April 2018, nachdem der Skandal um die Meinungsmanipulatoren von Cambridge Analytica seinen Höhepunkt erreicht hatte, soll Facebook begonnen haben, auch den Datenaustausch mit den Herstellern zurückzufahren.

Ein Facebook-Nutzer, knapp 295.000 Betroffene
Ein Reporter der New York Times stellte sein BlackBerry (Baujahr 2013) sowie sein Facebook-Konto für einen Test zur Verfügung, in dessen Verlauf die Datenübermittlung des Smartphones analysiert wurde. Direkt nach der Verknüpfung des Facebook-Kontos wurden seine Profildaten - Nutzerkennung und Name, Foto, die Daten aus der Rubrik "Über", Standortdaten, E-Mail-Adresse und Telefonnummer - über eine BlackBerry-App namens "The Hub" übertragen. Es folgten die privaten Mitteilungen des Journalisten sowie die Antworten, welche er auf diese empfangen hatte. Auch die Nutzerkennungen aller Personen, mit denen er bisher kommuniziert hatte, wurden abgerufen. Dann waren die Facebook-Freunde inklusive Nutzerkennung, Name, Geburtsdatum, Arbeitgeber, Bildung und Online-Status sowie die Freunde dieser Freunde dran. Am Ende waren Daten von knapp 295.000 Facebook-Nutzern an BlackBerry geflossen.

Reaktionen von Facebook und ersten Herstellern
BlackBerry erklärte der New York Times, dass seine aktuellen Smartphones auf Android-Basis anders arbeiten. Apple will diese Art des Datenaustauschs im September 2017 beendet haben. Amazon und Samsung wollten keine Fragen zu diesem Thema beantworten. Facebook selbst hat eine Stellungnahme veröffentlicht, welche der Darstellung der New York Times auf den ersten Blick widerspricht. Tatsächlich verteidigt Facebook den Datenaustausch als notwendigen Schritt für die mobile Integration seiner Dienste im Interesse der Benutzer. Damals hätte man noch keine Apps für Facebook und seinen Messenger gehabt, weshalb man diese Funktionen den Herstellern über Programmierschnittstellen (APIs) erschlossen habe. Diese APIs seinen nicht öffentlich gewesen und ihre Integration sei immer von Facebook kontrolliert wurden.

Alles halb so wild?
Ganz und gar nicht: Die Hersteller der Geräte sitzen zumeist im Ausland, viele in China oder anderen Ländern Asiens. Dort gelten sehr lässige Datenschutzbestimmungen, die sich der Kontrolle der Europäischen Union entziehen. In diese Länder wurde das gesamte Online-Leben europäischer Facebook-Nutzer transferiert, ohne dass die Nutzer dies kontrollieren konnten. Es ist völlig unklar, mit welchen Maßnahmen die Gerätehersteller diese sensiblen Daten schützen und ob sie diese möglicherweise kommerziell nutzen. Wer eine solche Datenübertragung verhindern will, darf Facebook auf seinen Mobilgeräten erst gar nicht einrichten oder sollte komplett auf die Inbetriebnahme solcher Geräte verzichten. Zudem hatte Facebook versichert, die Datenweitergabe an Dritte im Jahr 2015 deutlich eingeschränkt zu haben, ohne dabei auf die Ausnahme für Gerätehersteller hinzuweisen. Transparenz sieht anders aus, Herr Zuckerberg!

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