Werbung
ALL-INKL.COM - Webhosting Server Hosting Domain Provider


Kein Bild, kein Ton: Microsoft schaltet veraltete DRM-Dienste ab

Meldung von doelf, Freitag der 13.09.2024, 14:55:13 Uhr

logo

Seit Windows 10 wird Microsofts hauseigener Kopierschutz Windows Media Digital Rights Management (WMDRM) nicht mehr unterstützt, doch auf Systemen mit Windows 7 und 8 sind derart geschützte Mediendateien bisher noch abspielbar. Das wird sich allerdings schon bald ändern, denn Microsoft hat die Abschaltung aller Legacy DRM Services angekündigt. Neben gekauften Medieninhalten sind auch Audio-CDs betroffen, welche mit Hilfe des Windows Media Player ins WMA-Format gerippt wurden. Dies betrifft insbesondere Firmen und Medienschafende, die sich aus rechtlichen Gründen nicht in die Grauzone namens MP3 getraut hatten.

Audio-CDs Kopieren: Die Anfänge
Mit dem MP3-Format, genauer gesagt mit MPEG Audio Layer III, kam Ende der 90er Jahre schnell die Idee auf, die eigene Musiksammlung in Dateien zu überführen und diese über den Computer abzuspielen. Als Quelle dienten zumeist Audio-CDs, da man diese recht komfortabel rippen konnte. Diese Art der Vervielfältigung missfiel natürlich der Musikindustrie, denn die handlichen MP3-Dateien ließen sich ja auch über das Internet weitergeben. Zugleich sträubten sich die Plattenfirmen lange Zeit, legale Musik-Downloads überhaupt anzubieten. Die frei verfügbaren CD-Ripper und MP3-Encoder wurden in eine rechtliche Grauzone gedrängt, denn die Red Book-Spezifikation für Compact Disc Digital Audio umfasst tatsächlich einen Kopierschutz und das MP3-Format unterlag bis ins Frühjahr 2017 einer Lizenzierungspflicht.

Der ursprüngliche Kopierschutz der Audio-CD
Der im Red Book spezifizierte Kopierschutz der Audio-CD funktioniert nicht aktiv. Stattdessen geben einzelne Bits im Table of Contents, dem Inhaltsverzeichnis der Audio-CD, sowie in den Q-Sub-Channel-Blöcken vor, wie viele digitale Kopiegenerationen erlaubt sind. Bei einer 1 sind beliebig viele Generationen möglich und bei einer 0 nur eine. Um sicherzustellen, dass sich nur vom Original, nicht aber von einer Kopie der ersten Generation weitere digitale Kopien erstellen lassen, wird das Kopierschutzbit bei einer Kopie der ersten Generation in den Q-Sub-Channel-Blöcken alternierend als 0 und 1 gesetzt. Audiogeräte für Endkunden müssen diese Bitfolge erkennen und dürfen dann nur noch analoge Kopien zulassen. Doch der Computer ist kein Audiogerät und Daten sind für ihn nur Daten, weshalb der Kopierschutz der Audio-CD dort ins Leere lief.

Legale Kopien dank WMDRM-Fessel
Um den Nutzern eine legale Kopie zu ermöglichen, zugleich aber auch die Interessen der Urheber bzw. der Musikindustrie zu schützen, ersannen Firmen wie Microsoft diverse DRM-Strategien. So erhielt der Windows Media Player die Möglichkeit, Audio-CDs im hauseigenen WMA-Format zu speichern und dabei wurde das Kopierschutzbit der Audio-CD in einen digitalen Kopierschutz (Windows Media Digital Rights Management, kurz WMDRM) übertragen. Zu jeder Datei wurde ein Schlüsseln im DRM-Ordner von Windows angelegt, mit dem Microsoft sichergestellt hat, dass man die Kopien nur selbst benutzen und nicht einfach weitergeben kann. Wie unpraktisch eine solche Lösung ist, zeigte sich spätestens beim Kauf eines neuen PC. Wer seiner Hardware die Treue hielt, konnte bis Windows 8.1 verlustfrei upgraden, doch der Wechsel auf Windows 10 legte die Wiedergabe der geschützten Dateien lahm, da Microsoft dort die WMDRM-Unterstützung gestrichen hatte.

WMDRM wird bei Windows 10 zum Fallstrick
Fairer Weise sei angemerkt, dass Microsoft dies bei der Installation von Windows 10 durch den Hinweis Verlust von Musik und Videoinhalten beim Update angekündigt hatte. Wer die Installation dennoch fortsetzte, und das waren die meisten, konnte WMDRM-geschützte Dateien nicht mehr abspielen. Der Windows Media Player meldete beim Versuch gewohnt uninformativ: Bei der Wiedergabe der Datei in Windows Media Player ist ein Problem aufgetreten. Als Lösung hatte Microsoft die App Digital Rights Update Tool bereitgestellt, welche den WMDRM-Kopierschutz entfernen soll. Zuweilen macht sie das auch, doch recht häufig meldet die App, dass der pDRM-Dienst nicht korrekt oder gar nicht antworte. Dann macht sie entweder gar nichts oder stürzt kommentarlos ab. Und bei gekauften Medien mit WMDRM-Schutz funktioniert die App auch nicht.

September 2024: WMDRM wird beerdigt
Auf der englischsprachigen Übersicht Deprecated features for Windows client hat Microsoft nun die komplette Abschaltung der Legacy DRM services angekündigt. Auf der deutschen Version der Seite, Veraltete Features für den Windows-Client, fehlt dieser Eintrag noch. Mit der Abschaltung der veralteten DRM-Funktionen verlieren auch Windows 7 und 8 die Möglichkeit, mit dem Windows Media Player gerippte Audio-CDs oder gekaufte Medieninhalte mit WMDRM-Schutz abzuspielen. Auch das Wiedergeben oder Streamen solcher Inhalte mit Silverlight wird dann nicht mehr funktionieren. Wer zumindest seine gesicherten Audio-CDs retten möchte, kann das Digital Rights Update Tool ausprobieren, welches allerdings nur unter Windows 10 läuft.

Fazit
Einmal mehr zeigt sich, dass DRM für die ehrlichen Käufer nur Nachteile bietet. Sie werden gegängelt, müssen sich unnötige Arbeit machen und verlieren im schlimmsten Fall ihre Daten. Wer die Spielregeln der Industrie ignoriert, hat diese Probleme nicht. Damit bleibt die Wahl, sich in rechtlichen Grauzonen zu bewegen oder sich nach Strich und Faden verarschen zu lassen. In Hinblick auf immer stärker vernagelte Geräte und Betriebssysteme stellt sich allerdings die Frage, wie lange uns diese Freiheit noch bleiben wird.

Projekte von Freunden
Robert Mehl erbringt alle fotografischen und redaktionellen Dienstleistungen rund um das Bauwesen:
Wort und Bild aus einer Hand