Geiz tut weh: Augen auf beim Notebook-Kauf!
Meldung von doelf, Freitag der 05.12.2025, 15:53:20 UhrIn der Preisspanne zwischen 200 und 300 Euro tummeln sich derzeit wieder etliche Notebooks, die mit Windows 11 werben. Sie stammen von bekannten Markenherstellern wie Acer, ASUS, HP, Lenovo oder Medion und haben eines gemeinsam: Sie sind absolut nicht empfehlenswert! Aufgrund der steigenden Preise für Arbeits- und Flash-Speicher wurde die Hardware-Ausstattung dieser Rechner derart zusammengestrichen, dass es eine wahre Qual ist, mit diesen Geräten zu arbeiten. Wir sagen ganz klar: Hände weg!
Brauchbare Displays, aber ein großer Haken beim Betriebssystem
Die Billig-Notebooks locken mit Displays, die bei Bilddiagonalen von 14, 15,6 oder 17,3 Zoll eine Full-HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten bieten. Diese Anzeigen sind weder sonderlich hell, noch bieten sie eine gute Farbtreue, doch sie sind zumindest alltagstauglich. Weit weniger alltagstauglich ist das vorinstallierte Betriebssystem Windows 11 Home S. Das S
steht hierbei für den S-Modus
, der nach Sicherheit klingen soll, aber tatsächlich nur ein Sparmodus ist. Im S-Modus lassen sich lediglich Apps aus dem Microsoft-Store installieren und ausführen, auch die Installation von Treibern muss man Microsoft überlassen.
Nun gut, man kann den S-Modus verlassen und das Betriebssystem in ein vollwertiges Windows 11 Home verwandeln. In diesem Moment wird man allerdings feststellen, dass sich die Sparsamkeit des S-Modus auch auf die Systemressourcen erstreckt. Wenn solche Notebooks im S-Modus schon langsam laufen, wird es mit einem vollwertigen Windows 11 Home gleich unerträglich. Leider kann man den S-Modus nicht testweise verlassen, sondern es ist ein Abschied für immer. Ja, richtig gelesen: Microsoft sieht keine Möglichkeit zur Rückkehr in den S-Modus vor! Und das sagt so einiges über Microsofts Einschätzung zur Sicherheit eines normalen Windows 11 Home aus.
Extrem wenig CPU-Leistung
Der Grund für die Auslieferung mit Windows 11 im S-Modus ist die extrem schwachbrüstige Hardware-Ausstattung. Als Herz solcher Notebooks finden wir sehr leistungsschwache CPUs wie den im Jahr 2019 (Gemini Lake Refresh) eingeführten Intel Celeron N4020 (2 Kerne, 2 Threads) oder seinen Bruder Celeron N4120 (4 Kerne, 4 Threads). Ein wenig neuer sind der Intel Celeron N4500 (2 Kerne, 2 Threads) und der Intel Pentium Silver N6000 (4 Kerne, 4 Threads) von Anfang 2021 (Jasper Lake). Mehr Leistung sollte man sich aber lieber nicht erhoffen. Dies gilt auch für den Intel N100 von Anfang 2023 (Alder Lake-N), in dem vier schlappe Rechenkerne ackern.
Viel zu wenig Arbeitsspeicher
Nun gibt es geduldige Zeitgenossen, die mit einer schwachen CPU-Leistung leben können. Das hilft aber nicht, wenn der Arbeitsspeicher mit 4 GiB viel zu knapp bemessen ist! Bei Acer, Lenovo und Medion ist der Arbeitsspeicher zudem fast immer verlötet und damit nicht aufrüstbar. Nur bei ASUS und HP finden sich in der Regel noch Steckplätze für SO-DIMMs. Um an diese heranzukommen, muss allerdings die Bodenplatte entfernt werden und das ist nichts für schwache Nerven. Aber um es ganz klar zu sagen: 4 GiB sind viel zu wenig für Windows 11! 8 GiB müssen es mindestens sein und wer Microsoft 365 mit KI-Funktionen nutzen möchte, sollte gleich 16 GiB einplanen.
Viel zu wenig und zu langsamer Festspeicher
Auch beim Festspeicher wird maximal gegeizt und durch die Bank nur 128 GB geboten. Und das ist, wie man sich vermutlich schon denken kann, zu wenig für Windows 11. Hinzu kommt, dass statt einer schnellen SSD mit PCI-Express-Anbindung oder zumindest einer SSD mit SATA-Anschluss entweder eMMC oder UFS genannt werden. eMMC, die Embedded MultiMedia Card
, sollte man unter allen Umständen meiden, denn diese Datenträger sind selbst in der aktuellsten Version 5.1 auf 250 MB/s beim sequentiellen Lesen und 125 MB/s beim sequentiellen Schreiben beschränkt. UFS (Universal Flash Storage), das zunächst in Smartphones und Tablets zum Einsatz kam, schafft zumindest 300 MB/s.
Im der neuesten Generation 4.1 kommt UFS im Maximalausbau mit zwei Lanes auf bis zu 5.800 MB/s. Mehr als 1.450 MB/s würde ich von den betrachteten Notebooks allerdings nicht erwarten, dies entspricht der Generation 3.1 mit einer Lane. Wie schnell die verwendeten Flash-Chips sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Da die Hersteller bei diesen Laptops an allen Ecken und Enden sparen müssen, werden auch die Flash-Chips eher günstig und langsam sein, insbesondere bei Schreibzugriffen. Beim Schreiben großer Datenmengen oder beim Indizieren vieler Dateien gehen diese Notebooks schnell in die Knie und legen längere Denkpausen ein.
Fazit
Niemand braucht ein Notebook, dass nur in der Ecke steht, da bereits die monatlichen Windows-Updates alle zur Verfügung stehenden Ressourcen über Stunden blockieren. Der S-Modus von Windows 11 ist ein Krampf, doch ohne den S-Modus wird alles noch schlimmer. Auch weil man ohne unbedingt einen zuverlässigen Virenschutz benötigt und jeder Virenscan das Gerät komplett blockiert. Betrachten wir es realistisch: Niemand will mit diesen Dingern arbeiten und darum liegen sie nur in der Ecke rum. Wenn sie dann man gebraucht werden, stehen so viele Updates aus, dass sie für Ewigkeiten nicht zu gebrauchen sind und somit landen sie wieder in der Ecke. Wir raten eindringlich, diese Billig-Notebooks gleich im Ladenlokal zu belassen und stattdessen lieber gebrauchte Computer zu kaufen!