Kolumne: AIflation - Wie der KI-Boom die Preise treibt
Meldung von doelf, Dienstag der 09.12.2025, 14:37:08 UhrOb DRAM-Chips für Arbeitsspeicher, Flash-Speicher für SSDs oder Laser-Technologie für schnelle Datenübertragungen: Der Bau von immer mehr und immer größeren KI-Rechenzentren lässt die Nachfrage für weit verbreitete Bauteile in die Höhe schnellen und der Markt kommt nicht mehr hinterher. Und diese AIflation betrifft jeden von uns, da sie auch Smartphones, Tablets, Computer und Spielkonsolen verteuert. Laut Trendforce erwarten Sony und Microsoft, dass der Speicher im kommenden Jahr mehr als ein Drittel der Bauteilkosten von Konsolen ausmachen wird. Doch das alles könnte nur der Anfang einer umfassenden AIflation-Sprirale sein.
AIflation macht Spielkonsolen teurer
Nach Einschätzung der Marktbeobachter werden die Materialkosten für PS5 Pro, Switch 2 und Xbox X bis zum dritten Quartal 2026 um 15 bis 17 Prozent steigen, wobei das Preisniveau des ersten Quartals 2025 als Basis dient. Dann würden 23 Prozent der Materialkosten einer Switch 2 auf den Speicher (DRAM und SSD) fallen. Bei der PS5 Pro läge der Anteil bei 36 Prozent und bei der Xbox X sogar bei 42 Prozent. Hinzu kommt die Gefahr möglicher Lieferengpässe. Der Verkauf von Spielkonsolen wird für die Hersteller also weit weniger profitabel und statt Rabatte dürfte es im kommenden Jahr neue Preissteigerungen geben, die dann wiederum den Absatz drücken werden. Daher erwartet Trendforce auch einen Absatzrückgang um 4,4 Prozent.
Flash-Umsatz steigt stark
Bei Desktop-PCs und Notebooks fallen die prognostizierten Absatzeinbrüchen mit 2,0 und 2,4 Prozent zwar geringer aus, doch Ursache und Auswirkungen sind die gleichen. Die Hersteller von Flash-Speicher, die in den vergangenen Jahren mit einer Überproduktion zu kämpfen hatten, können sich über Umsatzsteigerungen im zweistelligen Bereich freuen. Kioxia (Toshiba) konnte seinen Umsatz mit Flash-Speicher im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 um 33,1 Prozent steigern, SanDisk um 21,4 Prozent und Micron wie auch Samsung um 15,4 Prozent. Der Hauptgrund für den gestiegenen Umsatz ist aber nicht eine höhere Produktion, es sind primär die steigenden Preise und eine Schwerpunktverlagerung auf Server-Produkte. Micron schließt seine Endkundenmarke Crucial hierzu gleich ganz.
DRAM-Umsatz steigt stärker
Noch deutlicher fällt die Umsatzsteigerung bei DRAM-Speicher aus. Wie Trendforce berichtet, konnte Nanya seinen Quartalsumsatz mit DRAM-Chips um 84,0 Prozent steigern und bei PSMC gab es ein Plus von 62,8 Prozent. Es folgen Micron mit 53,2 Prozent, Samsung mit 30,4 Prozent und Winbond mit 21,4 Prozent. Und, um es noch einmal klar zu sagen: Es geht hier nicht um die Steigerung im Jahresvergleich sondern um den Vergleich zum vorausgegangenen zweiten Quartal. Da die Lager laut Trendforce schon jetzt leergeräumt sind, erwarten die Marktbeobachter für neue Bestellungen Preisaufschläge zwischen 45 und 50 Prozent für DRAM-Chips. Zieht man High Bandwidth Memory (HBM) in die Rechnung mit ein, soll sich der Aufschlag zwischen 50 und 55 Prozent bewegen. Und so dürfte es im kommenden Jahr auch weitergehen.
Engpässe nun auch bei Laser-Technologie
Laser-Technologie kommt nicht nur beim Glasfaserinternet zum Einsatz, sondern auch für die schnelle Datenübertragung innerhalb von Hyperscale-Rechenzentren sowie zur Verbindung im GPU-Cluster. Für das laufende Jahr erwartet Trendforce die Auslieferung von 24 Millionen optischer Transceiver, doch schon 2026 sollen bis zu 63 Millionen Einheiten benötigt werden. Damit sind die aktuellen Fertigungskapazitäten mehr als ausgelastet, was Preise und Lieferzeiten immer weiter ansteigen lässt. Eine besondere Engstelle bilden dabei EMLs (elektroabsorptionsmodulierter Laser), die den Laser und die Modulation in einem Chip vereinen, denn diese komplexe Lösung wird nur von wenigen Herstellern wie Broadcom, Coherent (Finisar), Lumentum, Mitsubishi und Sumitomo angeboten. Gleichzeitig ist NVIDIA auf EMLs angewiesen und hast sich den Großteil der weltweiten Produktionskapazitäten gesichert.
Woher soll der Strom kommen?
KI wird die globale Technologielandschaft im Jahr 2026 verändern, fasst es Trendforce in einer weiteren Analyse zusammen. Weltweit pumpen Investoren Unsummen in den KI-Ausbau, so dass die Zahl der KI-Server von Jahr zu Jahr um zwanzig Prozent steigen könnte. NVIDIA ist dabei nach wie vor die dominierende Kraft, wobei auch AMD vielversprechende Produkte in seiner Pipeline hat. Zeitgleich arbeiten die großen Player aus China, darunter Alibaba, Baidu, ByteDance, Cambricon, Huawei und Tencent, an eigenen KI-Chips. Diese Chips werden immer mächtiger und stromhungriger. Während sich NVIDIAs H100 und H200 mit 700 Watt begnügen, darf sich die kommende Blackwell-Generation laut Datenblatt bis zu 1.200 Watt (+71,4%) genehmigen.
Sicher, neue Chipgenerationen bieten mehr Leistung, so dass ein neuer KI-Server zwei alte ersetzen könnte. Doch das wird in einer Zeit, in der der Ausbau von KI-Leistung die oberste Priorität hat, nicht passieren. Tatsächlich wird der KI-Ausbau zusätzliche Kraftwerke erfordern, die erst einmal gebaut werden müssen. Beispielsweise spricht der US-Konzern Oracle im Zusammenhang mit seinem Zettascale10-Cluster von einem Multi-Gigawatt KI-Workload. Ein Gigawatt sind eine Milliarde Watt! Ein Gigawatt ist auch die Leistung, die ein Block eines modernen Kernkraftwerks produzieren kann. Für einen Multi-Gigawatt-KI-Cluster werden somit mehrere Blöcke benötigt und die brauchen wiederum eine stabile Wasserversorgung.
Die erforderlichen Investitionen dürften den Strompreis in die AIflations-Spirale hineinziehen, ebenso den Wasserpreis sowie die Preise für Baustoffe. Über erneuerbare Energien braucht man hinsichtlich der KI-Cluster gar nicht nachzudenken, denn diese müssen rund um die Uhr ausgelastet sein. Es geht folglich um Grundlast in einer Größenordnung, die man derzeit nur mit Kernkraft oder Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken mit Mehrwellenaufstellung erzielen kann. Und damit landet auch der Gaspreis in unserer AIflations-Prognose. Betrachtet man die direkten und indirekten Investitionskosten, scheint es mehr als ungewiss, dass sich das KI-Geschäft in der Breite profitabel betreiben lässt. In Hinblick auf den Ressourcen-Verbrauch unseres Planeten kann es derweil nur ein Verlustgeschäft werden.