DRAM-Preise: Die Preisexplosion geht weiter
Meldung von doelf, Sonntag der 04.01.2026, 14:43:52 UhrDie Achterbahnfahrt für die DRAM-Chips hatte am Spot-Markt in Taiwan bereits im Sommer 2025 begonnen. Der Oktober brachte dann eine massive Preisexplosion, die auch zum Jahresabschluss noch kein Ende gefunden hat. Seit Ende November 2025 schlägt die Preisexplosion auch hierzulande auf breiter Front durch und die hiesigen Endkundenpreise für typische DDR5- und DDR4-Kits haben sich seit dem Sommer 2025 vervierfacht. Am Spot-Markt in Taiwan liegen die ersten Kurse inzwischen um fast 2.000 Prozent über dem Vorjahresniveau, was den Ausblick für die kommenden Monate alles andere als rosig gestaltet.
KI verursacht ein Speicherdilemma
Die steigenden DRAM-Preise zeigen inzwischen auch Auswirkungen auf das PC-Angebot. Um die Preise halbwegs stabil zu halten, werden viele Desktop-PCs und Notebooks nun wieder mit lediglich 8 GiB Arbeitsspeicher angeboten. Vor einem Jahr hatten die Hersteller zumeist 16 GiB RAM geboten, was in Anbetracht der Inflation an KI-Funktionen auch Sinn macht. Dabei sind 8 GiB für Windows 11 das absolute Minimum, damit das System halbwegs vernünftig läuft. Doch leider finden sich am Markt inzwischen wieder vermehrt Angebote für Windows-PCs mit nur 4 GiB Arbeitsspeicher, die zwangsweise im eingeschränkten S-Modus von Windows 11 laufen. Von diesen vermeintlichen Schnäppchen sollte man unbedingt die Finger lassen!
Während die PCs der Benutzer für all die neuen KI-Funktionen mehr Arbeitsspeicher benötigen, kaufen die großen KI-Firmen derzeit die Speichermärkte leer, denn die gewaltigen KI-Rechenzentren benötigen neben Unmengen an Strom auch Unmengen an Arbeits- und Festspeicher. Und so steigen die Preise für DRAM, SSDs und Festplatten immer weiter. Ja, in Servern kommen in der Regel andere Speicherchips zum Einsatz als in Desktop-PCs, Notebooks oder Smartphones. Und genau deswegen verlagern immer mehr Hersteller ihren Produktionsschwerpunkt. Gerade erst hat Micron angekündigt, seine Endkundenmarke Crucial nach 29 Jahren einzustellen, um sich auf Serverprodukte konzentrieren zu können.

Die Kurse am Spot-Markt
Der Kurs des modernen Speichertyps DDR5-4800/5600 16Gb 2Gx8 wird von uns seit März 2024 beobachtet, er lag zum Jahresabschluss 2025 bei 29,131 US-Dollar und damit um 7,23 Prozent über dem Stand von Ende November. Im November hatten wir ein Plus von 75,41 Prozent notiert und im Oktober waren es sogar 123,59 Prozent gewesen. Bei den DDR5-Chips hat sich der rapide Anstieg folglich etwas abgeschwächt, aber noch kein Ende gefunden. Bereits von Februar bis September 2025 (-0,24%; +3,55%; +8,16%; +4,23%; +9,73%; +0,88%; -0,87%; +14,55%) wies die Tendenz klar nach oben und inzwischen bewegen wir uns um 515,62 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Der Speichertyp DDR4-3200 16Gb 2Gx8 war zum Jahresabschluss mit 64,488 US-Dollar mehr als doppelt so teuer wie sein DDR5-Pendant. Auch bei diesen Chips hat sich die Verteuerung ein wenig verlangsamt (Oktober: +125,30%; November: +66,67%; Dezember: +51,74%), liegt aber weiterhin auf einem extrem hohen Niveau. Zudem hatten wir schon zwischen März und September 2025 (+9,41%; +16,64%; +23,47%; +83,99%; +0,62%; +6,11%; +24,17%) eine stetige Preissteigerung beobachtet, die deutlich höher ausgefallen war, als bei den DDR5-Chips. Der Vergleich mit Dezember 2024 zeigt einen Kursanstieg um unglaubliche 1.922,20 Prozent.
Halbieren wir die Speicherkapazität, so musste man zum Jahresabschluss für die Variante DDR4-3200 8Gb 1Gx8 durchschnittlich 24,183 US-Dollar bezahlen. Analog zu den 16Gb-Chips sehen wir nur ein leichtes Abflachen des monatlichen Kursanstiegs (Oktober: +71,75%; November: +57,77%; Dezember: +52,09%), doch der Aufschlag fiel im vierten Quartal 2025 geringer aus als bei den 16Gb-Chips. Zwischen März und September 2025 (+12,10%; +12,34%; +31,03%; +113,75%; +0,45%; -5,23%; +20,87%) hatten sich die 8Gb-Chips allerdings stärker verteuert. Im Jahresvergleich beläuft sich der Kursanstieg auf 1.552,97 Prozent.
Als Auslaufmodell beobachten wir die 4Gb-Chips nur noch in der Variante DDR3-1600/1866 4Gb 512Mx8, sie wurden zum Jahresabschluss mit durchschnittlich 4,00 US-Dollar gehandelt. Der Kurs dieser Chips war zwischen März und Dezember 2025 (+11,37%; +4,58%; +21,21%; +31,30%; +14,10%; +16,63%; +13,30%; +56,03%; +7,43%; +11,61%) kontinuierlich angewachsen. Im Jahresvergleich addieren sich die Aufschläge auf 410,86 Prozent.
Die Endkundenpreise in Deutschland
Betrachten wir die Preisentwicklung typischer DDR4-3200 32-GiB-Speicher-Kits aus zwei 16-GiB-Riegeln, so sind die Preise für lagernde Ware seit Dezember 2024 von rund 50 bis 70 Euro auf 200 bis weit über 300 Euro angestiegen (Anfang Dezember 2025: ab 170 Euro). Für DDR4-3200 16-GiB-Speicher-Kits aus zwei 8-GiB-Riegeln musste man vor einem Jahr rund 30 Euro bezahlen, heute sind es mehr als 120 Euro (Anfang Dezember 2025: ab 100 Euro). Typische DDR5-5200 bzw. DDR5-5600 32-GiB-Speicher-Kits aus zwei 16-GiB-Riegeln konnte man im Dezember 2024 für 90 bis 100 Euro erwerben, heute starten die Preise bei rund 380 Euro und reichen bis über 500 Euro (Anfang Dezember 2025: ab 250 Euro).
Wechselkurs und Ausblick
Bleibt noch die Frage nach dem Wechselkurs, denn Arbeitsspeicher wird in US-Dollar gehandelt: Am 30. Dezember 2025 hatte ein Euro den Gegenwert von 1,1748 US-Dollar und notierte damit um 1,30 Prozent höher als im Vormonat sowie um 12,90 Prozent über dem Vorjahreskurs. Das ist angesichts der Preisexplosion bei den DRAM-Chips aber nur einen Tropfen auf dem heißen Stein. Der Ausblick bleibt somit stockfinster: Wer jetzt kauft, muss tief in die Tasche greifen und in den kommenden Monaten dürfte dieser Griff noch viel tiefer werden. Es gibt derzeit kein Licht am Ende des Tunnels. Erst wenn die KI-Blase platzt oder deutlich mehr Fertigungskapazitäten bereitstehen, wird sich die Situation wieder entschärfen.
Bezüglich der genannten Preise bitten wir zu beachten, dass zwischen einzelnen Chips und den mit diesen bestückten Modulen zu unterscheiden ist. Da die Chips zunächst verarbeitet und danach verschifft werden, vergehen normalerweise einige Wochen, bevor sich Kursschwankungen am Spot-Markt auf die hiesigen Preise von Speichermodulen auswirken.