DRAM-Preise steigen und steigen und steigen
Meldung von doelf, Montag der 31.08.2026, 14:47:27 UhrAuch wenn der KI-Boom erster Kratzer bekommen hat, bleibt die Lage am Speichermarkt weiterhin dramatisch. Abermals sind alle von uns beobachteten DRAM-Chips am Spot-Markt in Taiwan im Monatsvergleich spürbar teurer geworden, diesmal um 5,15 bis 13,03 Prozent. Die Modulpreise im deutschen Einzelhandel sind aktuell noch stabil, könnten aufgrund der Vorgaben aus Asien aber wieder anziehen. Und dass der Ukrainekrieg sowie der Konflikt zwischen den USA und dem Iran kein Ende finden, macht die Lage nicht besser.
KI verursacht ein Speicherdilemma
Die steigenden DRAM-Preise zeigen seit Ende 2025 auch Auswirkungen auf das PC-Angebot. Um die Preise halbwegs stabil zu halten, werden viele Desktop-PCs und Notebooks nun wieder mit lediglich 8 GiB Arbeitsspeicher angeboten. Vor einem Jahr hatten die Hersteller zumeist 16 GiB RAM geboten, was in Anbetracht der Inflation an KI-Funktionen auch Sinn macht. Dabei sind 8 GiB für Windows 11 das absolute Minimum, damit das System halbwegs vernünftig läuft. Doch leider finden sich am Markt inzwischen wieder vermehrt Angebote für Windows-PCs mit nur 4 GiB Arbeitsspeicher, die zwangsweise im eingeschränkten S-Modus von Windows 11 laufen. Von diesen vermeintlichen Schnäppchen sollte man unbedingt die Finger lassen!
Während die PCs der Benutzer für all die neuen KI-Funktionen mehr Arbeitsspeicher benötigen, kaufen die großen KI-Firmen derzeit die Speichermärkte leer, denn die gewaltigen KI-Rechenzentren benötigen neben Unmengen an Strom auch Unmengen an Arbeits- und Festspeicher. Und so steigen die Preise für DRAM, SSDs und Festplatten immer weiter. Ja, in Servern kommen in der Regel andere Speicherchips zum Einsatz als in Desktop-PCs, Notebooks oder Smartphones. Und genau deswegen verlagern immer mehr Hersteller ihren Produktionsschwerpunkt. Im Dezember 2025 hatte Micron angekündigt, seine Endkundenmarke Crucial nach 29 Jahren einzustellen, um sich auf Serverprodukte konzentrieren zu können.

Die Kurse am Spot-Markt
Der Kurs des modernen Speichertyps DDR5-4800/5600 16Gb 2Gx8 wird von uns seit März 2024 beobachtet, er lag heute zu Handelsschluss bei 53,917 US-Dollar und damit um 7,69 Prozent über dem Stand von Juni 2026. Betrachten wir die letzten zehn Monate (+123,59%; +75,41%; +7,23%; +25,87%; +3,91%; -1,69%; +2,78%; +7,79%; +12,85%; +6,91%), so gab es nur im März und April 2026 eine kurze Erholungsphase. Inzwischen steigt der Kurs wieder kontinuierlich an und liegt um 791,63 Prozent über dem Vorjahreswert.
Der Speichertyp DDR4-3200 16Gb 2Gx8 ist am Spot-Markt mit 91,780 US-Dollar rund 1,7-mal teurer als sein DDR5-Pendant, sein Kurs ist binnen Monatsfrist um 13,03 Prozent gestiegen. Blicken wir auf die Kurssprünge der letzten zehn Monate (+125,30%; +66,67%; +51,74%; +22,2%; -0,50%; +4,75%; -16,46%; -2,46%; +21,18%; +10,11%), zeigt sich eine etwas längere Erholungsphase zwischen Januar und April 2026, doch seit Juni gibt es wieder zweistellige Aufschläge. Der Jahresvergleich liefert einen Kursanstieg um 906,91 Prozent.
Halbieren wir die Speicherkapazität, so musste man für die Variante DDR4-3200 8Gb 1Gx8 am heutigen Montag durchschnittlich 44,367 US-Dollar bezahlen (+7,95%). Analog zu den 16Gb-Chips gibt es auch hier ein Abflachen des monatlichen Kursanstiegs (+71,75%; +57,77%; +52,09%; +27,78%; +1,94%; +7,94%; -4,41%; +2,46%; +8,11%; +14,17%), das allerdings schwächer ausfällt und erst im Februar 2026 einsetzt. Im Jahresvergleich ist der Aufschlag mit 813,84 Prozent etwas geringer aus als bei den DDR4-16Gb-Chips.
Als Auslaufmodell beobachten wir die 4Gb-Chips nur noch in der Variante DDR3-1600/1866 4Gb 512Mx8, sie wurden zuletzt für durchschnittlich 13,854 US-Dollar (+5,15%) gehandelt. Der Kurs dieser Chips ist über die vergangenen zehn Monate kontinuierlich gestiegen (+56,03%; +7,43%; +11,61%; +28,7%; +8,02%; +32,62%; +11,86%; +11,07%; +31,38%; +9,45%), da die PC-Hersteller aufgrund des unerbittlichen Preisdrucks wieder auf DDR3-Speicher zurückgegriffen hatten. Im Jahresvergleich addieren sich die Aufschläge auf 634,18 Prozent.
Die Endkundenpreise in Deutschland
Betrachten wir die Preisentwicklung typischer DDR4-3200 32-GiB-Speicher-Kits aus zwei 16-GiB-Riegeln, so sind die Preise für lagernde Ware seit Dezember 2024 von rund 50 bis 70 Euro auf 200 bis über 300 Euro angestiegen. Diese Preise sind seit April relativ konstant geblieben, nachdem im Januar kein Kit unter 250 Euro verfügbar war. Für DDR4-3200 16-GiB-Speicher-Kits aus zwei 8-GiB-Riegeln musste man Ende 2024 rund 30 Euro bezahlen, heute sind es mehr als 110 Euro (Januar 2026: ab 125 Euro). Typische DDR5-5200 bzw. DDR5-5600 32-GiB-Speicher-Kits aus zwei 16-GiB-Riegeln konnte man im Dezember 2024 für 90 bis 100 Euro erwerben, heute starten die Preise bei rund 390 und reichen bis weit über 500 Euro. Vor einem Monat musste man sogar mehr als 405 Euro zahlen.
Wechselkurs und Ausblick
Bleibt noch die Frage nach dem Wechselkurs, denn Arbeitsspeicher wird in US-Dollar gehandelt: Gestern hatte ein Euro den Gegenwert von 1,1580 US-Dollar und notierte damit um 1,55 Prozent stärker als im Vormonat. Dieser Wert liegt zugleich um 0,90 Prozent unter dem Vorjahreskurs. Mit der Fortsetzung der Kriege im Iran und in der Ukraine auf der einen Seite sowie dem kaum gebremsten KI-Boom auf der anderen lässt sich kaum eine Prognose erstellen. Erdöl bleibt teuer, die Wirtschaft kommt nicht auf die Beine und die KI-Firmen sorgen für immer mehr Engpässe im Technik- und Energiebereich. Da hilft nur abwarten und beten, dass die vorhandene Hardware lange genug durchhält.
Bezüglich der genannten Preise bitten wir zu beachten, dass zwischen einzelnen Chips und den mit diesen bestückten Modulen zu unterscheiden ist. Da die Chips zunächst verarbeitet und danach verschifft werden, vergehen normalerweise einige Wochen, bevor sich Kursschwankungen am Spot-Markt auf die hiesigen Preise von Speichermodulen auswirken.