Amazons Ring nimmt Kurs auf KI und Überwachung
Meldung von doelf, Donnerstag der 31.07.2025, 16:51:23 UhrDie Amazon-Tochter Ring, welche smarte Videokameras und Türklingeln herstellt, hat ihren woken Kurs unter Achtung des Datenschutzes zu den Akten gelegt und setzt nun auf wieder auf Sicherheit durch Überwachung gepaart mit KI-Integration und einer engen Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden. Statt Keep people close to what's important
lautet die Mission der Firma nun wieder Make neighborhoods safer
.
Zugegeben, auf der deutschen Webseite steht als Motto weiterhin Menschen das, was ihnen wichtig ist, näher zu bringen
. Dieses Motto hatte Ring erst im vergangenen Jahr unter CEO Liz Hamren eingeführt. Im April 2025 holte Amazon dann Jamie Siminoff, der Ring im Jahr 2012 gegründet hatte, zurück, und der hat ganz andere Vorstellungen als seine Vorgängerin: Produktivität, Kosteneffizienz und die Durchsetzung von Sicherheit sind nun die obersten Prioritäten. Statt Privatsphäre und Datenschutz gibt es KI und Überwachung.
Dem Magazin Business Insider
liegen interne Memos und Aussagen von Ring-Mitarbeitern vor, welche das Ausmaß der Neuausrichtung dokumentieren. Darin schreibt Siminoff We are reimagining Ring from the ground up with AI first
(Übersetzung: Wir erfinden Ring von Grund auf neu, wobei KI an erster Stelle steht
). Wenn man sich nun die Frage stellt, was KI für eine Türklingel mit integrierter Kamera tun kann, fällt uns zunächst die Gesichtserkennung ein. Ob eine solche Funktion in einem Land mit einer so hohen Schusswaffendichte wie den USA tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen wird?
Parallel hierzu will Siminoff den Ermittlungsbehörden wieder Zugriff auf die Aufnahmen ermöglichen, eine umstrittene Funktion, die Hamren abgestellt hatte. Aus dieser Perspektive macht der Einsatz von KI zur Gesichtserkennung durchaus Sinn, sofern man auf Massenüberwachung steht. Bereits im April 2025 hatte Ring eine Zusammenarbeit mit der Firma Axon angekündigt. Axon arbeitet eng mit den US-Ermittlungsbehörden zusammen und beliefert diese mit Tasern und Bodycams. Für Ring soll sich Axon um die Video-Anfragen der Ermittlungsbehörden kümmern und offenbar auch eine Möglichkeit zum Livestreaming erarbeiten.
Der stramme Kurs von Siminoff dürfte bei der aktuellen US-Regierung gut ankommen, stößt bei Datenschützern und Bürgerrechtlern wie der Electronic Frontier Foundation
(EFF) aber auf massive Kritik. In Europa dürften Siminoffs Pläne derzeit nicht umsetzbar sein. Dennoch sollten sich Verbraucher gut überlegen, was sie sich da ins Haus holen. Das letzte Wort gebührt daher J. R. R. Tolkien: Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.