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Apple, Google und die App-Store-Rebellen

Meldung von doelf, Montag der 07.09.2020, 17:20:11 Uhr

In monotheistischen Religionen gibt es nur einen Gott, so wie es in Apples Betriebssystemen nur einen App-Store gibt. Doch während Gott sich mit zehn Prozent zufrieden gibt (siehe 3. Buch Mose, Kapitel 27, Verse 30 und 32), fordert Apple von App-Entwicklern (genau wie Google) dreißig Prozent vom Umsatz. Und das nicht nur für die direkten App-Verkäufe, sondern auch für alle weiteren über Apps generierten Umsätze. Seit Langem brodelt es unter den Entwicklern und Epic Games führt inzwischen einen offenen Kampf mit Apple.

Für Apple haben sich die Einnahmen aus dem App-Store zur Goldgrube entwickelt: Das Unternehmen muss lediglich seine Plattform pflegen, vor der Freigabe einen Blick auf die Apps werfen und schon klingelt die Kasse. Und kassiert wird nicht nur beim Handel mit Apps, sondern auch für In-App-Verkäufe sowie für vermittelte Dienstleistungen. Diese Strategie ist nachvollziehbar, denn ansonsten würden clevere App-Entwickler ihre Produkte einfach gratis in den App Store stellen und die Käufe abseits von Apple abwickeln. Damit hier niemand aus der Reihe tanzt, müssen sich alle Entwickler Apples App-Store-Richtlinien unterwerfen und diese schreiben vor, dass jegliche Transaktionen über den App Store abzuwickeln sind.

Apple sieht sich im Recht, da jeder Entwickler die App-Store-Bedingungen akzeptiert hat. Allerdings hat man auch keine andere Wahl, da man erst nach seiner Zustimmung eine App zur Prüfung einreichen kann. Ob diese dann tatsächlich veröffentlicht wird, entscheidet einzig und alleine Apple und auch das steht so in den App-Store-Bedingungen. Und als monostorestischer Plattformgott duldet Apple auch keine anderen Stores neben seinem eigenen. Sideloading ist im Gegensatz zu Android nicht erlaubt. Wer sich also nicht an Apples App Store und dessen Richtlinien bindet, bleibt bei iPhones und iPads außen vor. Das klingt sehr nach Monopolismus und die von Apple veranschlagten 30 Prozent erscheinen auch recht happig.

Kartellwächter in Europa, den USA und Japan betrachten Apples Vorgehen schon länger kritisch, sind bisher aber nicht eingeschritten. Dass Apple die neue Digitalsteuer in Großbritannien (2 Prozent) sowie in Frankreich und Italien (3 Prozent) zu 70 Prozent den App-Entwicklern aufbürdet, hat die angespannte Ausgangslage allerdings nicht verbessert. Doch zumindest ist Apple bereit, die Steuer für seinen eigenen Anteil zu tragen. Es bleibt der Vorwurf des Monopolismus und wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken, den Epic Games derzeit offensiv austestet. Der Spieleentwickler hatte seine Fortnite-App mit einem eigenen Bezahlsystem versehen, war dann aus dem App-Store geflogen und liefert sich nun einen Rechtsstreit mit Apple.

Zunächst hatte Apple das Spiel Fortnite aus dem App Store verbannt und Epic Games aufgefordert, die verbotene Bezahlfunktion zu entfernen. Als sich Epic Games weigerte, sperrte Apple das Entwicklerkonto der Firma. Nun lässt sich Fortnite nicht mehr neu installieren, es gibt keine Updates und Apple-Nutzer können auch nicht mehr an plattformübergreifenden Spielen teilnehmen. Zuvor hatte Epic allerdings vor Gericht eine Ausnahme für seine Unreal-Engine erstritten, da diese auch von Dritten genutzt wird. Diese Dritten, so Epics Argumentation, sollten nicht in die Auseinandersetzung der beiden Unternehmen hineingezogen werden und auch weiterhin Funktions- und Sicherheits-Updates erhalten können.

Epic Games trägt seinen Kampf allerdings nicht nur mit Apple aus, sondern auch mit Google. Google veranschlagt ebenfalls 30 Prozent für jeglichen Umsatz, der über seinen Play Store generiert wird. Doch unter Android lassen sich App-Pakete (.APK) auch ohne Play Store installieren und es gibt häufig auch die Möglichkeit, das vorinstallierte Android gegen eine Modifikation wie LineageOS zu tauschen. Huawei versucht uns derzeit zu überzeugen, dass seine AppGallery den Play Store ersetzen kann, und auch zuvor hatten Hersteller wie Samsung eigene Shops vorinstalliert. Unter Android besteht somit die gleiche Grundproblematik, doch Apple hat dieses System auf die Spitze getrieben und bietet sich daher als Exempel für eine rechtliche Klärung an. Und in diesem Streit drücken nicht wenige Epic Games die Daumen, schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft, bringt Innovationen hervor und lässt die Preise purzeln.

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